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Vergiftungsprävention für Migrantenfamilien

 

Dieses Projekt wird gefördert von:

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Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den AutorInnen.

Aktionen > Kindersicherheitstag

Projekt: Zielgruppengerechte Aufklärung für Migrantenfamilien zu Vergiftungsrisiken

Hintergrund

Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind eine ständig wachsende Bevölkerungsgruppe, die laut Ergebnissen wissenschaftlicher Studien gesundheitlich benachteiligt ist. Bei der Analyse bestehender Angebote zu Kindersicherheit und Vergiftungsprävention zeigt sich, dass nur ein geringer Anteil auf Migrantenfamilien zugeschnitten ist. Doch schaut man sich die von der BAG 2009 analysierten epidemiologischen Daten zum Vergiftungsgeschehen an, zeigt sich, dass es jährlich zu ca. 19.000 behandlungsbedürftigen Vergiftungsfällen im Kindesalter kommt. Unter den betroffenen Kindern ist auch eine hohe Zahl von Kindern aus Zuwandererfamilien. Insbesondere Jungen bestimmter ethnischer Gruppen sind besonders häufig von Verletzungen betroffen. Sie begeben sich in unsichere Situationen, suchen teils sogar das Risiko, ohne sich der möglichen schweren Folgen bewusst zu sein. Insofern sind deren Eltern besonders für die entsprechenden Gefahren zu sensibilisieren und ggfs. auch in Erziehungsfragen, die die Unfallprävention berühren (wie z.B. Regeln aufstellen, Grenzen setzen), zu beraten. Bei den bestehenden Präventionsmaßnahmen ist bisher in den wenigsten Fällen eine kultursensible Ausrichtung vorhanden.

Im Projekt „Achtung: Giftig!“ entwickelte die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. in den Jahren 2011 und 2012 gezielte Angebote für Migrantinnen und Migranten zur Prävention von Vergiftungsunfällen im Haushalt. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unterstützt.

Logo des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel e.V.

Wir danken dem Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. für die freundliche Unterstützung des Projektes.

Ziel

Ziel des Projektes war es, Migrantenfamilien über Vergiftungsrisiken und gefährliche Produkte im Haushalt aufzuklären und hierdurch längerfristig die hohe Zahl der Vergiftungen bei Kindern mit Migrationshintergrund zu reduzieren. Hierfür sollten erstmals zu dieser Themenstellung zielgruppenspezifische, kultursensible Maßnahmen entwickelt, erprobt und evaluiert werden.

Zielgruppen

Insbesondere die Mütter von Zuwandererkindern sollten persönlich angesprochen und für Vergiftungsgefahren im Haushalt sensibilisiert werden. Aber auch die Kinder sollten Erfahrungen zum Thema machen können. Mittels des Projektes wurde geprüft, inwieweit und mit welchen Medien Mütter und Kinder gemeinsam mit dem Thema „Vergiftungen und deren Vermeidung“ vertraut gemacht werden können. Diese Projektergebnisse sollten wiederum so aufbereitet werden, dass sie für Multiplikatoren im Bereich der Unfallprävention, aber auch in der interkulturellen Arbeit nutzbar sind.

Inhalte

Eine zu Projektbeginn erstellte Datenanalyse und die Expertise „Zielgruppengerechte Aufklärung für Migrantenfamilien zu Vergiftungsrisiken“ (pdf-Format) zeigten, dass Kinder mit Migrationshintergrund häufig von Unfällen, und auch von Vergiftungen, betroffen sind. Gezielte Aufklärungsmaßnahmen über Vergiftungsrisiken sind dagegen in Deutschland selten und meist in allgemeine unfallpräventive Angebote eingebunden. Bei den bestehenden Präventionsmaßnahmen ist in den wenigsten Fällen eine kultursensible Ausrichtung vorhanden.

Vergiftungsprävention für MigrantenfamilienDas Projekt leistete einen Beitrag dazu, diese Lücke zu schließen. Es wurden mehrsprachige Informationsmedien für Eltern und Kinder erstellt, darunter ein Poster und ein Bilderbuch, sowie Spiele und Aktionen angeboten. Die Entwicklung fand gemeinsam in einer Fokusgruppe mit Frauen aus sechs verschiedenen Kulturen in partizipativer Form statt. Neben den Informations- und Lernmaterialien erarbeitete die BAG ein Konzept für die Verbreitung dieser Materialien – auch im Internet – und für eine nachhaltige Wirkung in Fachwelt und Öffentlichkeit. Am Ende wurde ein Praxisordner für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren produziert.

Im Projekt „Achtung. Giftig!“ wurden vielfältige Veranstaltungen durchgeführt. In Bonn und in Berlin fanden fünf Elterngruppen mit insgesamt 76 Teilnehmenden statt, in denen zum Thema „Vergiftungsunfälle und deren Vermeidung“ informiert und beraten wurde. Zudem wurden in zwei Multiplikatorenveranstaltungen Personen, die mit jungen Familien arbeiten, zur Vergiftungsprävention und gezielten Ansprache von Migrantenfamilien geschult. Es wurden 74 Schlüsselpersonen erreicht. Zwei Presseevents – eine Pressekonferenz zur Vorstellung des Projektes und der neu entstandenen Materialien sowie ein Journalistenseminar primär für Vertreterinnen und Vertreter fremdsprachiger Medienorgane im Rahmen des Kindersicherheitstages 2012 führten zu einer guten Medienresonanz. Ein im Oktober 2011 beim „Tag des Bundespräsidenten“ in Bonn veranstaltetes großes Kinderevent erreichte eine breite Öffentlichkeit.

Die projekteigenen Materialien stehen auch nach Projektende weiter zur Verteilung bereit und sind bei der BAG Mehr Sicherheit für Kinder erhältlich ( zum Bestellen oder zum Download). Die geschulten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden in ihren Arbeitsfeldern auch zukünftig Angebote zur Verhütung von Vergiftungen bei Migrantenfamilien vorhalten. Das Projekt hat national und international Anerkennung gefunden. Es erhielt eine Prämierung beim WDR-Kinderrechte-Preis und das Poster wurde beim internationalen „Safety Media Award 2012“ ausgezeichnet. Das Thema „Vergiftungsprävention im interkulturellen Kontext“ hat in mehrere Kongresse Eingang gefunden.

Die Projektevaluation hat gezeigt, dass die Projektziele erreicht wurden. Die beratenen Eltern haben neue Informationen und Tipps erhalten, wie sie ihren Haushalt kindersicher machen und Kinder vor dem Zugriff auf Haushaltschemikalien und Medikamente schützen können.

 


SeitenanfangBundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V., Heilsbachstr. 13, 53123 Bonn, info@kindersicherheit.de